|
|
|
Lieber ...
Bin ja noch da. Hab ja noch die Klinke in der Hand. Laß sie vielleicht sogar innen wieder los. Jetzt schreib ich auch mal was ganz persönliches, was ich mit der Spiritualität gemacht habe und warum ich sie nicht mehr so haben will. Danke für Deinen ausführlichen Beitrag.
Ich krieg nichts auf die Reihe. Das stimmt so nicht, ich hab mein ganzes Leben umgeschmissen und es dabei noch fertig gebracht, daß es mir deutlich besser geht als vorher. Und ich seh auch so aus. Des öfteren sprechen mich Leute an (junge Männer *ggg* - so knapp unter die dreißig) und kriegen dann die ungläubigsten Augen, wenn ich sage, wie alt ich bin. OK, Dirk, Deine Omma könnt ich nicht sein, ich würds grade zur großen Schwester schaffen. Mich hat mein ganzes Leben vorher niemals irgendein Mann angesprochen. Das find ich ja schon mal angenehm, aber darauf wollt ich gar nicht hinaus. Aber dennoch könnten die genauer hinsehen, daß ich um die 40 bin kann man sehr wohl sehen. Aber man ist so jung, wie man sich fühlt - und wenn das stimmt ...
... dann bin ich 16 *lacht* - und damit komm ich zu dem, zu dem ich eigentlich kommen will. Mein Problem ist nicht der Tod, ..., mein Problem sind nicht meine Kinder, Geld, Arbeit, soziale Kontakte. Ich hab einfach überhaupt kein Problem im Aussen. Das klappt alles wunderbar. Mein Problem bin ich. Ich steh mir im Weg. Es ist zum aus der Haut fahren, zum voller Zorn mit den Füßen aufstampfen, zum rumbrüllen. Es ist zum Wahnsinnigwerden. Und zum Heulen. Ich sitzt jetzt grad hier und heule vor Wut und balle die Fäuste. (und vorher hab ich wirklich gelacht, diese Gefühle sind heftig und sehr flüchtig, Pubertät eben). Ich weiß nicht, wie ich es mit mir aushalten kann! Ich mache nicht, was ich will. Ich hab keine Organisation, weder bei Zeit noch bei Geld noch bei Sachen (Ordnung), in den Papieren nicht und nicht in der Wohnung. Ich hab in all diesen Bereichen das vollständige Chaos. Ich hab mich mein Leben lang treiben lassen, und für die kleinen winzigen Anforderungen, die ich an das Leben gestellt hatte, reichten meine Fähigkeiten trotzdem mühelos aus. Aber jetzt hab ich ganz andere Wünsche an das Leben, die mir meine Fähigkeiten auch ermöglichen würden - nur für diese Wünsche ist das Chaos und das Treibenlassen ein Ausschlußkriterium.
Ich hab schlicht und einfach kein psychologisches Problem mit meiner Vergangenheit (von wegen ungeliebt oder unterdrückt oder mißbraucht, oder was man sich sonst noch so ausmalen könnte) und ich hab kein spirituelles Problem. Ich hab kein Problem mit meiner Umwelt, keines mit meinem Gott (ganz gleich, was das ist), keines mit meinem Schicksal. Ich hab einzig und alleine ein Problem mit mir.
Und dieses Problem versuchte ich mit Lösungen aus meiner spirituellen oder Eso-Weltsicht zu beheben. Vorher psychologische Versuche. Und es geht einfach nicht. Ich kann mich nicht hinsetzen und über Meditation oder Tarot oder I-Ging versuchen zu erfahren: "Was will mir dieses Problem sagen?" Ich krieg dann schon Antworten, die auch durchaus einleuchtend sind - doch mit diesen Antworten ist was faul: Sie sind keine Lösungen. Fast möcht ich sagen, die ganzen Problemlösungsversuche stehen im Dienste des Problems, sind seine Vasallen. Mit einem freundlichem Lächeln und gut getarnt.
Ich hab gedacht, ich hätte wer weiß was für körperliche Verspannungen und Blokaden - hab deswegen Rolfing angefangen. In der Hoffnung, mit den Blokaden verschwinden wie durch Zauberhand auch meine hinderlichen Einstellungen. Ich hab recht wenig Blokaden. Ganz im Gegenteil. Ich hab keine Struktur. So leicht kann man sich täuschen. Das Rolfing ist übrigens dennoch gut, dies und Beschäftigen mit NLP-Grundlagen war das Sinnvollste, was ich zur Persönlichkeitsanpassung an meine Ziele getan habe. Das Rolfing bringt mich nach Hause in meinen Körper - nicht nur in eine Beziehung mit ihm. Ich hatte eine sehr intensive Beziehung zu meinem Körper - wie zu einem Fremden, aber ich kannte ihn sehr gut - ich wußte sehr viel von ihm. War aber nicht drin.
Zurück zu Spiritualität. Was ich also versucht habe, war, entweder mit Realitätsgestaltung (der Ella-Idee der Realitätsgestaltung sind ja Deine Ergebnisse Deiner Gespräche mit Gott sehr ähnlich) oder eben durch direkte Ansprache an Gott zu erreichen, daß ich mich ändere. Daß ich tue, was ich will. Das klappt einfach nicht. Vielleicht würde klappen, einen Parkplatz zu finden - vielleicht klappt das ja schon immer, denn ich hab nie ein Problem mit Parkplätzen. Vielleicht würde klappen, eine Wohnung zu finden, aber auch das klappte bei mir sowieso schon immer sehr schnell. Arbeit dasgleiche. Wenn ich eine wollte, kriegte ich eine. Eine gute, eine die zu mir passte.
Was für mich das allerbeste Beispiel für funktionierende Realitätsgestaltung war, ist ein wirklich faszinierendes Geschehen: Vor ca eineinhalb Jahren fing ich an zu träumen - ich will studieren. Ich will was lernen. Aber damals hatte ich eine hervorragend zu mir passende Stelle, einen netten Freund und zwei Töchter, die mit mir zusammenwohnten und die ich ernährte. Also, alles war recht ist, aber diesen Wunsch hab ich gar nie abgeschickt, den hab ich als jetzt unrealisierbar für später aufgehoben. Seniorenstudium oder so. Denn, daß ich meine Kinder nicht ohne Geld dastehen lasse, war mir viel wichtiger. Und das mußte sicher sein. Nichts riskieren.
So, im August letzten Jahres zog dann meine ältere Tochter aus, sie war 18 geworden und wollte alleine wohnen. Einen Monat später zog mein Freund aus - das war auch klar gewesen, wir sind immer noch befreundet, aber eine Liebe ist es halt nicht. Ich freute mich auf wenigstens zwei Jahre gemütlichen Zusammenlebens mit meiner jüngeren Tochter und hoffte, mich mit meiner Arbeit wieder anfreunden zu können, die mir keinen Spaß mehr machte. Mitte November ging es dann Schlag auf Schlag - die Beziehung mit meiner jüngeren Tochter ging unter Null - sie zog von einem Tag auf den anderen aus. Soweit könnte man noch sagen - nichts mit Realitätsgestaltung, ich hätte mich so daneben benommen, daß es eben keiner mit mir aushielt, hab sie sozusagen alle rausgeekelt. War aber nicht, ehrlich. *lacht* - aber OK. Ein paar Tage später verliere ich meinen Job - aber diesmal hundertpro ohne irgendein mögliches Zutun von mir - die Amerikanische Firma beschließt diese Niederlassung, bei der ich beschäftigt war, mit ca 30 Mitarbeitern in Deutschland zu schließen. Die entlassenen Mitarbeiter erhalten eine finanzielle Abfindung. Dies hab ich morgens erfahren, und am selben Tag abends kündigen mir meine Vermieter die Wohnung wegen Eigenbedarf. Auch daran hab ich sicherlich kein Zutun. Wenn ich jemals einen Beweis für Realitätsgestaltung gebraucht hätte, hätte ich ihn nun gehabt. Mit der Abfindung hatte ich das Polster, um mir etwas zu suchen, was mit einem Studium vereinbar war. Und ebenso einfach habe ich dann die Uni gefunden, an der ich studieren wollte, und dort eine Wohnung, die ein Traum ist (mein Traum!) und als ich dann anfing, mir um meine finanzielle Lage ernsthaft Gedanken zu machen, einen Auftraggeber. In der Nähe!
Alles Prima. Und dann komm ich langsam dahinter, daß ich uneffektiv arbeite, daß ich trödle, daß ich meine Papiere verschlampe, daß ich voll verpennt bin (verträumt wäre viel zu beschönigt ausgedrückt), daß ich nicht organisiere - obwohl ich es kann! Das ist das allerübleste. Ich kann tatsächlich sehr gut organisieren. Und daß bei alledem einfach nichts aber auch gar nichts aus der Eso oder Spirituellen oder Psychologischen Richtung hilft. Mir gehn keine Fähigkeiten oder äußeren Umstände ab - es gibt nichts, was ich mir im Außen wünschen könnte (außer vielleicht eine Partnerschaft, aber dann müßte ich mich ja jemand anderem zumuten! Und das kann nur noch ein weiterer Bereich sein, wo es chaotisch wird).
Hab ich das jetzt rübergebracht?
Wenn Du oder sonst jemand eine EnergieMethode weißt, wie ich daraus komme - werd ich sofort wieder spirituell. Aber es nützt einfach nichts, so meine Erfahrung, beim Universum zu bestellen: "Ich bestelle, daß ich ab heute nachmittag 16 Uhr mache, was ich will" - und alles andere hilft auch nichts, was ich ausprobiert habe.
Das sind die Hintergründe - und jetzt geh ich auf Deine beiden Bemerkungen ein, die direkt darauf Antworten sein könnten:
„Jedesmal, wenn ich eine „alte“ Einstellung sehe, werde ich mich fragen, welche Funktion sie hat, ob diese Funktion meinen Zielen dient. Ich werde mich fragen, ob diese Funktion heute noch nötig ist. Ich werde mich fragen, ob diese Funktion meinen Zielen dient. Ich werde mich fragen....“
Klar kannst du dich fragen. Die Frage ist nur, wer dir die Antwort geben wird. Dein Verstand? Dann hast du dir einen schlechten Ratgeber ausgesucht, soviel ist sicher. Dein Verstand wird dir sagen, was dein Ego gerne hören möchte. Aber was soll das bringen?
Nun - wenn sollte ich sonst fragen? Ich habe Gott gefragt, ich habe I-Ging gefragt, ich habe Tarot-Karten gefragt, ich habe drüber meditiert (sozusagen mein Unterbewußtes gefragt) - die ganze Fragerei erscheint mir jetzt, wie schon gesagt, wie ein Teil des Problems. Denn solange ich frage, tue ich ja nicht, was ich will! Ich will ja nicht fragen, ich will lernen und arbeiten und meine Wohnung&Papiere aufräumen.
Abgesehen davon, daß ich Gott/I-Ging/Tarot/Unterbewußtes tatsächlich wie so ein Kippbild mal als "Wirklich" sehe und mal als "Funktion". Aber die Fragerei ist das Problem, ganz gleich, wen oder was ich frage. Denn fragen ist ja gar nicht das, was ich will. Und Foren-Beiträge schreiben ist auch nicht das, was ich will. Ich formuliere das hier so ausführlich, in der kindlichen Hoffnung, daß irgendjemand von Euch eine Lösung hat - ich bin streckenweise wirklich verzweifelt - das kann sich glaub ich kein Mensch, der eine auch nur rudimentäre Struktur in seinem Leben hat, vorstellen. Und vielleicht hilft mir das schreiben ja auch, mir darüber klar zu werden, was ich tun kann.
Mit dem "ich frage mich" habe ich weniger gemeint, ich frage meinen Verstand - da würd ich tatsächlich "Gott/I-Ging/Tarot/Unterbewußtes" als Adressaten vorziehen, ich hab eher gemeint, ich geh da ganz voll rein, und spüre, was es ist. Als ich das geschrieben hatte, war ich sehr optimistisch, weil genau das in einem Punkt funktioniert hatte. Das ganze Erleben des Musters war die Antwort auf die Frage nach der Funktion - und damit konnte ich es zu dem Zeitpunkt auch ändern. Aber im Moment weiß ich zum Beispiel nicht im Geringsten, wie ich mich dazu bekomme, zu machen, was ich will.
Die zweite: „All das kann ich sehr gut mit dem Konzept der Spiritualität erreichen – wenn ich Spiritualität in ihrer Funktion betrachte. „Sorge dich nicht, der himmlische Vater sorgt für dich“....“
Also mein Konzept von Spiritualität wäre das nicht. Es gibt keinen „himmlischen Vater der für mich sorgt“. Gott ist für mich das Wissen, er ist das Universum, er ist grenzenlose Liebe und Wahrheit und auf jeden Fall ein wunderbarer Führer, den ich im Herzen mit mir herum trage. Er ist alles was du willst, bloß kein himmlischer Vater, der für mich sorgt. Den spirituellen Weg zu gehen verlangt vielleicht ein sehr viel höheres Maß an Verantwortung für das eigene Tun als jeder andere.
Das hab ich ein starkt verkürzt ausgedrückt. Der Grundgedanke ist: Sorgen machen bringt nichts, jammern (was ich hier grad die ganze Zeit tue), bringt nichts, Selbstvorwürfe bringen nichts. Und eine Wirkung vieler spiritueller Richtungen ist, daß sie auf die eine oder andere Art diesen nutzlosen Sorgen oder Vorwürfen den Boden entziehen. Wenn jemand süchtig die Anerkennung in anderen sucht, kann sich diese Einstellung grundlegend ändern, wenn er spirituell wirklich glaubt, daß er als perfektes Wesen von Gott so geliebt wird, wie er in diesem Moment ist. Wenn jemand sich ständig Sorgen macht, die sich im Kreise drehen, kann der tiefe Glaube daran, daß Gott eine schützende Hand über ihn hält (alles, was geschieht, ist gut, hat einen Sinn) ihm helfen, grade diese Einstellung loszulassen. Das mit den Sorgen war ein Beispiel, das gar nichts mit mir zu tun hat. Sorgen mach ich mir nicht. Selbstvorwürfe schon eher. Und im Jammern bin ich Weltspitze! Grad deswegen, weil es nicht offensichtlich ist, sondern gut getarnt.
Das mit der Verantwortung, ja. Und die kann kein anderer für mich tun. Die kann kein anderer für mich beantworten. Die muß ich verdammt noch mal selber machen. Das ist es wohl.
Vielleicht habe ich vor, hier zu gehen, weil ich die Foren und die spirituellen Sachen als Mittel benutze, um es herauszuschieben, die Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht ist mein Problem einfach ein ganz normales Problem in der kausal geschlossenen Welt. *lacht*.
Und ein abschließender Absatz. Meine Spiritualität war schon als Kleinkind eine sehr glückliche. Gott war und ist für mich das Wissen, er ist das Universum, er ist grenzenlose Liebe und Wahrheit. Und dies alles unbedingt, von meinem Verhalten oder Denken unabhängig. Drum hab ich mir auch nie Sorgen gemacht. Und drum macht es mir auch gar nichts aus, sollte ich mich irren. Gott stört das nicht, existiert er und ich glaube nicht an ihn. Er ist mir ganz genauso in Liebe zugetan und läßt mir alles Gute, was ich von ihm bekommen kann, zukommen, ob ich daran glaube oder nicht.
Die einzige Frage dieses Beitrags ist wohl: Kann mir bitte jemand sagen, wie ich die Verantwortung für mich übernehme.
Liebe Grüße
Monika (oskopia)
_____________________________________________________
Monika Fürch alias
Oskopia Kaleid, 2001