|
|
|
Diesen Beitrag habe ich in den Foren Spiritual Life, Unter der Ulme und Isanka als Abschiedsrede von meinem Forumsdasein geschrieben. Meine persönlichen Freundschaften vor allem zu den Freunden von unter der Ulme bleiben natürlich bestehen.
Hallo Ihr Lieben
Eines Morgens wachte ich auf und war wieder vollkommen materialistisch. Es gibt keinen Gott als persönliches Gegenüber, es gibt keine Seele als persönliche Seele. Es gibt nichts in mir was als ich nach meinem Tod weiterlebt. Ich habe keine vorgeburtlich oder ausserweltlich festgelegte Aufgabe in dieser Welt. Dieser Morgen war vorgestern. Und seitdem hat es mit der Spiritualität bei mir ein Ende und ich verabschiede mich von Euch und diesem Forum.
Vorangegangen war eine monatelange Frage: Was bedeutet es, an eine Seele, an etwas "geistiges" (im Sinne von nicht-materiellem) zu glauben. Wie kommt das Gespenst in die Maschine? Ob das Gespenst nun der Geist ist oder die Seele, egal. Gleichzeitig glaube ich ja auch an die Naturgesetze - und ein Prinzip der Naturgesetze ist, daß "natürliche" Erscheinungen nur durch natürliche Ursachen bewirkt werden und nur natürliche Ergebnisse zeitigen. Das nennt man 1)"Die Welt des Materiellen ist kausal geschlossen." Weiterhin glaube ich daran, daß meine Gedanken und meine Wünschen und meine "Seele" meinen Körperzustand und meine Taten beeinflußen, die nun wirkliche Wirkungen in der materiellen Welt haben. Heißt: 2)"Das geistige beeinflußt das physische" - und weiterhin habe ich bisher daran geglaubt, daß das geistig/seelische etwas nicht-materielles ist. 3)"Geistige/Seelische Phänomene sind nicht Materielle Phänomene"
Die drei Meinungen gehn nicht zusammen. Wenn ich zwei davon annehme, kann die dritte so nicht stimmen.
Wie schon unter der Ulme beschrieben, habe ich zuerst versucht, 2) aufzugeben. Das fällt mir auch sehr leicht, da ich oft und mühelos in einem Zustand bin wo ich davon überzeugt bin, daß meine Wünsche und Gedanken zu meinem Verhalten parallel läuft, es erklärt und kommentiert und bewertet, aber in keinster Weise einen Einfluß darauf hat. Es ist ein nicht-persönlicher Grund, warum ich nicht mehr glauben kann, daß geistige Prozesse wirkungslos sind: Sie kosten ziemlich viel Energie. Das Gehirn verbraucht ziemlich viel K
alorien. Zwar ist die Hauptaufgabe des Gehirns nicht das, was in unserem Bewußtsein abläuft, und es ist durchaus denkbar, daß diese Meinungen, die ich von der Welt und von mir und von meinen Taten habe, vollkommen wirkungslose Gehirnaktivitäten sind, die nur kosten aber nichts nutzen - aber ich glaube es eben nicht mehr.
Dann habe ich ganz locker geglaubt, 1) stimme einfach nicht. Materielle Phänomene könnten auch durchaus Nicht-Materielle Ursachen haben. Das Auto könnte stehen bleiben, weil es verhext ist. Ich habe einen Job gefunden, weil eine gute Fee über mich wacht. Sind ein wenig spaßige Beispiele, doch wo ich auch hinkucke, wenn ich ehrlich bin, glaub ich, daß das Auto stehen bleibt, weil kein Benzin drin ist, und daß kein Benzin drin ist, weil ich nicht getankt habe obwohl der Tank leer war und daß der Tank leer war, weil ... .Und ich glaube, daß ich einen Job gefunden habe, weil ich einen gesucht habe. Und weil das was ich kann zur Zeit gefragt ist und weil ich an den richtigen Stellen gesucht habe und weil ich mich beim Vorstellungsgespräch gut gefühlt habe ... .
Also hab ich gedacht, müßt ich wohl meine liebgewonnene Seele aufgeben. Das wollt ich aber nicht, und so hab ich das Problem ungelöst ad acta gelegt.
Am Freitag abend war ich bei Mother Meera in Schloß Schaumburg bei Balduinstein bei Limburg. Der Darshan ist kostenfrei, er dauert zwei Stunden, es ist ein Darshan der Stille. Man muß sich anmelden, ca 2 Monate ist die Wartezeit. Während des Darshans kann man von mother Meera einen Segen bekommen - dabei legt sie ihre Hände auf den Kopf des zu Segnenden und danach schauen die beiden sich in die Augen.
Der Saal im Schloß wo der Darshan stattfindet ist sehr hell, freundlich und mit Stühlen, Lampen, Teppichen in oberer Hotelklassenqualität eingerichtet. Sehr unaufdringlich geschmackvoll - und ganz bestimmt nicht billig. Ebenso die Räume, die man so noch betritt, wie Garderobe, Flur, Treppenhaus oder Toilette. Die ganze Organisation ist perfekt. Wenn man mit dem Auto a
nkommt, wird man von einem Platzanweiser mit einer Taschenlampe (das war das einzige was nicht perfekt war, sie war eine Funzel, die ich kaum gesehen habe) auf einen freien Parkplatz gewiesen. Dann wartet man unter einer wunderschönen Linde vor dem Schloßeingang im Freien. Dabei steht ein qualitativ schon ein wenig hochwertigerer Organisator und erklärt einem in angenehmer Stimme, daß der Darshan ein Darshan der Stille ist, wann Treffzeiten sind, daß man sich in eine der beiden Schlangen stellen muß, ... . Wenn man dann in der Schlange zum Eingangstor vorgerückt ist, steht dort ein weißgekleideter Organisator, der noch eine Stufe edler aussieht. Er hat auch eine sehr sehr angenehme Stimme und auch seine Art ist sehr angenehm. Nicht freundlich, nicht sachlich - einfach passend, für das was er will. Er will den Namen hören und sucht ihn dann auf der Liste, wo die Anmeldungen für diesen Abend stehen und streicht ihn durch. Danach kommt man zu einer inneren EingangsStufe - dort steht der allerangenehmste Organisator, denn hätt ich fast für den Schloßherren persönlich gehalten. Vielleicht war er es auch - er achtet darauf, daß man sich bevor man die Stufe heruntertritt, die Schuhe auszieht. Wahrscheinlich würde er einem auch sagen, wo die Garderobe ist, und wo man danach hinzugehen hat, doch ich habe mich an die Menschen vor mir gehalten, und die wiederrum an die vor ihnen - auf jeden Fall hat er vor meinen Ohren nichts weiter gesagt, als zu einer Frau, sie möchte die Schuhe bitte schon im Eingangsbereich ausziehen.
Nachdem ich meine Hausschuhe angezogen hatte, und meine Garderobe verstaut hatte, ging ich in den Keller auf die Toilette, die sehr sauber und angenehm war. Und danach ging ich anderen Besuchern hinterher in den ersten Stock in den Saal. Dort standen ungefär 200 Stühle, die Wege zwischen den Stuhlblöcken waren mit Teppichen belegt - ich konnte sehr gut verstehen, daß sie in diesem Bereich keine Straßenschuhe von 200 Leuten haben wollten. Die Stühle waren auf einen freien Platz von ca 5 x 4 Meter in aus
gerichtet, also eine Art "Bühne" - allerdings nicht erhöht oder irgendwie abgegrenzt. Dort stand eine Inderin und nickte grüßend mit dem Kopf. Ich dachte, das ist Mother Meera, war sie aber nicht.
Ich suchte mir einen Platz fast ganz hinten, und setzte mich auf einen Stuhl. Einige wenige Menschen hatten sich vor die Stuhlreihen (direkt vor der "Bühne") auf den Boden gesetzt, obwohl noch genügend Stühle frei waren. Hie und da ging die Inderin durch den Saal und forderte eine Person wortlos auf, sich woanders (immer näher zur "Bühne") hinzusetzen. Dies geschah zweimal und einmal tat dies der letzte Organisator, den ich für den Schloßherrn gehalten hatte. Einmal forderte die Inderin eine der am Boden sitzenden Frauen auf, ein paar Zentimeter weiter nach vorne zu rutschen - die Person vor deren Stuhl sie saß, hatte fast keine Beinfreiheit mehr. All dies geschah wortlos. Einmal flüsterte der "Schloßherr" mit der Inderin und beim Weggehen legte er ganz kurz und leicht seine linke Hand auf ihren rechten Unterarm knapp über dem Handgelenk. Es war eine sehr freundliche Geste und dennoch unter Umständen ein "Übergriff" - also, das macht man, wenn man mit jemand "zusammen" ist - und sonst keinesfalls. Die Inderin mochte diese Geste auch nicht. Ich saß alleine in einer Reihe, auf dem zweiten Stuhl vom Gang entfernt. Ein junger, gutaussehender, sympathischer Mann fragte, ob der Platz direkt am Gang noch frei wäre und setzte sich dann dort hin. Überhaupt war das ganze Publikum sehr angenehm. Ich fühlte mich wohl mit diesen Menschen, obwohl ich mich persönlich innerlich furchtbar unwohl fühlte und auch fror. Es war ziemlich lau in dem Saal, eine Besucherin hatte sich zwei Decken mitgebracht, in die eine hüllte sie ihre Beine und Füsse, die andere hatte sie sich um die Schultern gehängt. Sie war wohl schon mal dagewesen. Die meisten Leute aber schienen nicht zu frieren. Hie und da hustete jemand oder räusperte sich, sonst war es still. Als es dann sieben geworden war, standen alle Menschen auf einmal auf, und eine Tür im "Büh
nen"bereich, auf der ein Schild "Privat" stand (auch das war nicht perfekt, dieses Schild, fällt mir grade auf, es war rote Schrift und irgendwie nicht ganz "richtig") öffnete sich und eine andere Inderin trat heraus - dies war Mother Meera. Einige zehn Sekunden später setzten sich alle Menschen wieder. Mother Meera hatte sich auf einen Sesselstuhl auf der "Bühne" gesetzt - ich konnte sie allerdings von so weit hinten nicht sehen. Unvermittelt standen vielleicht zwanzig Menschen im Saal auf, darunter auch der junge Mann neben mir, und bildeten zwei Schlangen zwischen den Stuhlreihen - sie knieten sich in die Schlangen und bewegten sich auch auf dem Teppich knieend oder krabbelnd oder rutschend fort, wenn die Schlange sich bewegte. Diese Schlangen wurden schnell länger, auch wenn der Segen pro Einzelperson nicht sehr lange dauerte. Ich lugte zwischen den Stühlen durch um zu sehen, wie dieser Segen ablief.
Die Person, die als nächstes an die Reihe kommen würde, setzte sich auf einen Wartestuhl. Es gab einen Wartestuhl für beide Reihen, von diesen ging abwechselnd die vorderste Person auf den Stuhl. Der Weg zum Stuhl wurde gegangen. Die Person, die vorher auf dem Stuhl gesessen hatte, hatte sich inzwischen vor Mother Meera hingekniet, und auch auf die Hände gestützt (es war erlaubt, die Füße von Mother Meera zu berühren, viele taten das auch) - so daß der Kopf leicht von Mother Meeras Händen zu erreichen war. Sie legte sehr locker die Fingerspitzen bieder Hände seitlich an den Kopf. Wenn sie die Hände wegnahm, setzte sich die Person in die Hocke auf die Knie (Sitzhocke) und sah der Mutter in die Augen. Wenn Mother Meera die Augen senkte stand die Person auf und ging auf ihren Platz zurück - und die Person auf dem Wartestuhl ging, den Segen zu empfangen.
So lief das ab - und für die, die das noch nicht kannten, war das Verhalten beim Empfang des Segens, auch auf dreisprachigen in dursichtiger HartFolie eingeschweißten Beschreibungen erklärt, von denen eine auf jedem Stuhl lag.
Ich brauchte erst mal eine ha
lbe Stunde um mich an den Gedanken zu gewöhnen, mich vor jemand niederzuknien. Und zwar hatte ich keine Bedenken wegen dem Gegenüber, sondern ich spürte einfach, was das alles für mich bedeutet. Was das Wort "Mutter" für mich bedeutet. Ich brauchte auch eine lange Weile um mich an den Gedanken zu gewöhnen, ihr (der Mutter) in die Augen zu sehen und dann, wenn sie ihren Blick senkte, zu gehen. Diese Abhängigkeit. Ich war vollkommen angespannt und gestresst. Ich hatte nicht den Eindruck, als würde ich mich in die Schlange einreihen. Nach einer Weile hat sich diese Anspannung gelegt und nach einer knappen Stunde war ich bereit, mir auch den Segen abzuholen. Als die Schlange bei mir recht kurz geworden war, kniehockte auch ich mich in die Schlange und rutschte in ihr vor. Ich hab nichts besonderes empfunden, als sie meinen Kopf berührte, ein ganz klein wenig das Gefühl, daß sich eine Anspannung löst - als sie mir in die Augen blickte, hatte ich den Eindruck von Augen, die kaum zu finden waren. Sagen wir mal so, "gefallen" haben mir ihre Augen nicht, sie waren vollkommen unpersönlich. Ich hatte den ganz starken Eindruck, daß das Senken ihres Blickes, das für mich ja dann die Aufforderung zum Weggehen bedeutete, erst eintrat, nachdem ich den Blickkontakt abbrechen wollte.
Danach setzte ich mich wieder auf meinen Platz und nun begang ich mich darauf zu konzentrieren, daß ich fror. So beschloß ich vor Ende der Veranstaltung zu gehen. An der Garderobe traf ich einen Mann auf dem Weg zur Toilette, von dem ich nicht weiß, ob er Besucher oder Organisator war, der mich darauf hinwies, daß man "eigentlich" bis zum Ende bleiben müße. Ich erzählte ihm, daß mich friere und daß ich am nächsten Abend wärmer gekleidet erscheinen würde.
Zar hatte ich drei Darshan Termine reserviert, auch den Samstag und Sonntag noch und mir dafür auch extra einen Leihwagen gemietet, doch fuhr ich nicht mehr hin. Den Samstag über fühlte ich mich krank und im Laufe des Abends kristallisierte sich auch heraus, daß mir der Darshan als spirituelle
Sache nichts gebracht hat. Er hat mir eine sehr wesentliche Erkenntnis gebracht, in der Stunde in der ich mich entschied, zum Segen zu gehen, war ich so nah und schmerzlich und lähmend mit meinen kindlichen Einstellungen "Mutter", "Abhängigkeit" und "Unzulänglichkeit" gegenüber konfrontiert, wie noch nie in meinem Leben vorher. Und diese Konfrontation mag es auch gewesen sein, die der letzte Schritt auf meinem Rückweg zur, nunmehr geläuterten Materialistin war.
Denn diese inneren Einstellungen sind gelernt. Sie hatten eine Funktion. Sie waren einst nützlich. Sie mögen auch heute noch nützlich sein, doch sie werden nicht alleine dadurch nützlich, daß sie da sind. Ob sie heute noch angebracht sind, kann ich durch Beurteilen der Lage entscheiden.
Dadurch, daß ich diese Einstellungen so nah und drückend erlebt habe und mich auch sehr deutlich an die kindliche Lage, in der ich sie entwickelt habe, erinnern konnte, wurde mir deutlich, welche Funktion sie hatten. Sie waren eine weise Entscheidung. Und mir wurde deutlich, daß sie es heute passendere Mechanismen gibt, um meine Ziele zu verwirklichen.
Diese Erkenntnis alleine verändert die gelernten Einstellungen nicht - doch sie hat mich zu der Entscheidung gebracht, daß ich sie verändern werde. Und für die Veränderung wiederrum ist eine spirituelle Sichtweise der Lage eine Möglichkeit. Ich könnte die spirituelle Sichtweise verwenden um meine kindlichen Einstellungen zu verändern. Doch ich werde die mir nicht mehr nötigen oder gar hinderlichen Einstellungen dadurch ändern, daß ich mir andere angewöhne. Ich werde mich a) den kindlichen Einstellungen stellen - d.h., daß ich bereit bin, sie ganz genauso zu sehen, wie sie sind. Durch das sehen ergibt sich fast von alleine schon ein Verständnis ihres Sinns. Das Problem, daß ich diese Einstellungen "annehmen", "akzeptieren" muß, stellt sich gar nicht. Ich fühle mich wie dieses Kind, daß diese Einstellungen erworben hat - und das war damals angebracht und sinnvoll. Ich halte es für unumgänglich, die vorhandenen Einst
ellungen zur Gänze wahrzunehmen. Doch für die Veränderung werde ich mich darauf konzentrieren, mir neue Einstellungen anzugewöhnen. Jedesmal, wenn ich eine "alte" Einstellung sehe, werde ich mich fragen, welche Funktion sie hat. Ich werde mich fragen, ob diese Funktion heute noch nötig ist. Ich werde mich fragen, ob diese Funktion meinen Zielen dient. Ich werde mich fragen, ob eine andere Fähigkeit/Einstellung, die ich inzwischen gelernt habe oder die ich noch lernen kann, einfacher eine nötige Funktion erfüllt.
Da das jetzt sehr theoretisch klingt, ein Beispiel:
Schon vor vielen Jahren habe ich gelesen, daß weinen (auch) die Funktion hat, die Verantwortung auf jemand anderen abzuschieben. Damit ist weinen gemeint, aus Wut, daß man was nicht schafft, aus Überforderung, weil man ungerecht behandelt wurde, weil etwas zerbrochen ist oder so was. Nicht das erste Weinen aus körperlichem Schmerz oder Trauer. Ich war empört, als ich das gelesen habe - "wenn ich weinen muß, dann muß ich weinen - ich weine doch nicht 'um zu'". Ich hab sehr viel geweint als Pubertierende. Und zwar immer in Gesellschaft - nie für mich alleine. Und es war für mich einfach nicht zugänglich, daß in diesem Weinen etwas steckt, wie: "Sei anders zu mir" - "So darfst Du aber nicht sein." In dem Weinen steckte tatsächlich eine Aufforderung an die Welt, meistens repräsentiert durch meinen Vater, sich zu verändern. Das war also die (eine) Funktion des Weinens. Die ich aber nicht kannte.
Jetzt aber, wo ich groß bin
- hab ich, wenn ich die Welt auffordern möchte, sich zu verändern, doch durchaus andere Möglichkeiten. Bei weitem effektivere. Ich kann aktiv auf jemand zugehen und sagen, was er oder sie tun muß, damit mir der Kontakt zu ihm angenehm ist. Ich kann entscheiden, daß ich Menschen, die sich trampelig mir gegenüber verhalten, gar nicht mehr in meinem Bekanntenkreis haben muß. Ich kann entscheiden, in geschäftli
ch notwendigen Beziehungen mit unsympathischen Zeitgenossen selbst einige Methoden der Verhaltensregulierung beim Gegenüber anzuwenden. Ich kann heute solche Methoden. Ich kann giftig sein, eisig, sachlich, spöttisch, paradox, aggressiv, argumentativ. Ich bin nicht mehr darauf angewiesen, abzuwarten oder durch weinen oder kuschendes Wohlverhalten zu ersehnen/zu erflehen daß mein Gegenüber sich "von alleine" ändert.
Wenn ichs genau betrachte, bin ich heute überhaupt nicht mehr auf die Fürsorge meines Gegenübers angewiesen. Ich bin erwachsen. Im Prozess des Miteinander kann ich genauso viel geben wie andere Erwachsene auch. Ich kann bestimmen, was ich von anderen erwarte und mich entscheiden, mit den Menschen zusammenzusein, deren gegenseitige Erwartungen sich mit meinen decken.
Das war das Beispiel. Hätte ich nicht wirklich erkannt, daß die Funktion des Weinens ein machtloses Flehen nach Fürsorge ist, könnte ich sie nicht ersetzen. So aber kann ich einerseits erkennen, daß die Fürsorge gar nicht mehr unbedingt notwendig ist. Daß ich für viele Dinge, für die ich wollte, daß man für mich sorgt, heute selbst sorgen kann. Ich kann mich also im Einzelfall dafür entscheiden, ob ich in jeweils die "Fürsorge" selbst in die Hand nehmen will oder immer noch das Ergebnis der Fürsorge vom andern brauche - vielleicht, weil er mir was beibringen kann, was ich noch nicht kann, oder weil eine Zusammenarbeit notwendig ist. Und ich kann dann effektivere Möglichkeiten verwenden um das zu erreichen, was ich mit Fürsorge erreichen wollte.
All das kann ich auch fast sehr gut mit dem Konzept der Spiritualität erreichen - wenn ich Spiritualität in ihrer Funktion betrachte. "Sorge Dich nicht, der himmlische Vater sorgt für Dich". Aber diese Spiritualität wäre ja dann keine "echte" mehr - denn für Euch alle ist sie, und für mich vorgestern auch noch war sie, ja "wahr". Für die echte Spiritualität ist es erforderlich, daß ich sie nicht bewußt funktionalisiere, sondern daß ich glaube, daß das was sie behauptet, wahr ist, und dann t
ritt eben die Wirkung ein, die (meiner heutigen Meinung nach) ihre Funktion ist. Vorgestern war die Wirkung für mich ein erfreulicher Nebeneffekt, heute ist sie für mich der Sinn von Gottesglaube.
Es hat sich also tatsächlich was ganz wesentlich in mir verändert. Ich kann nicht mehr spirituell sein und ich vermisse es auch nicht. Und weil ich mich nicht um Weltbilder streiten möchte, weil ich dieses Forum für einen schönen Platz halte, den ich nicht durch Diskussionen verkühlen will, weil ich gerne hier war und mich hier wohl gefühlt habe, darum gehe ich jetzt. Mit leichtem Herzen und mit Freude, Euch kennengelernt zu haben.
Ich wünsche Euch alles Gute und alles, was Ihr Euch wünscht. (
- das ist ein Zauberspruch - den hab ich schon mal jemand gesandt - und, hupps, hatte sie, was sie sich wünschte - aber das ist eine andere Geschichte 
Liebe Grüße
M
nika (oskopia)
_____________________________________________________
Monika Fürch alias
Oskopia Kaleid, 2001