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01.März 2003
Ziele?
Waren es drei oder vier Jahre, in denen ich mich innerlich (und
nicht nur da) mit dem NLP darüber gestritten habe, ob es Ziele
gibt oder nicht? Mit dem 40. Geburtstag fing es an, drei Jahre nur,
also. Bei denen geht es ja recht gradlinig zu. Wenn man was erreichen
will, braucht man ein Ziel. Wenn man ein Ziel hat, wird man es erreichen.
Und man kann das schlimmstenfalls auch nochmal umdrehen - was man
erreicht hatte, war also ein Ziel. Der Spott ist nicht ganz berechtigt,
das würden die wenigsten behaupten. Daß ich da noch nie
drauf gekommen bin - es passieren also auch Sachen, die keine Ziele
waren. Da hätte ich mir doch glatt 3 Jahre Nachdenken sparen
können. Auch egal, ich lebe nicht im Konjunktiv - es waren
drei sehr sehr spannende Jahre. Sozusagen das, was ich eigentlich
hatte haben wollen. Q.E.D. Jetzt aber mal ernsthaft - das mit den
Zielen ist wirklich mythisch bei denen - da müßen sie
gar nicht auf Bärbel Mohrs Bestellservice stehen, der Weg von
der klar formulierten Zielvorstellung zum Erleben des Zieles geht
tatsächlich kraft Vorstellung. Das ist jetzt nicht polemisch.
Und zwar betrifft das nicht nur so Sachen wie nicht bei der Fahrprüfung
durchfallen - wo die eigene Einstellung ja sehr gut vorstellbar
die Fahrleistung während der Prüfung beeinflußt
(so man denn fahren kann - aber sonst läßt einen der
Fahrlehrer ja gar nicht zur Prüfung vor), sondern auch Sachen
wie das Traumhaus, den Traumjob. Erklären tun sie es nicht,
doch sie behaupten, es funktioniert. Tun sie wirklich.
Damit hatte ich auch nie ein Problem. Das würde ich ganz gleich
aus welchen Gründen auch glauben können. Ob es denn nun
Aufmerksamkeitsrichtung sei oder irgendeine Art von Synchronisation,
oder einfach nur pragmatisch - wenn man ein Ziel hat, ist es auf
jeden Fall sehr sehr günstig, zu glauben, daß es sich
nun fast automatisch erfüllt. Daß man dann nix dafür
tun würde, sagen ja nur diese geborenen Faulsäcke, für
die die Arbeitsmoral erfunden wurde! Nene, wenn man ein Ziel hat,
und glaubt, daß man es erreicht - ich wenigstens, ich würde
mich dann schon sehr stark zielkonform und zielfördernd verhalten.
Ob das allgemein ist, ich weiß nicht.
Es gefiel mir trotzdem nicht. Tut es immer noch nicht so ganz.
Aber was gefiel mir daran nicht? Ich glaube, daß im Leben
"Sachen auf mich zu kommen" - es wird mir sozusagen 80
Jahre lang vom Lieben Gott eine Privatvorstellung geliefert. Nur
für mich! Und nu behaupten die, ich soll mich entscheiden,
als gäbe es da eine gute Fee, die mir ununterbrochen meine
Wünsche erfüllen würde! Was ich aber als Wunsch formulieren
kann, das wollt ich gar nicht haben, das war langweilig, das kenne
ich doch schon! Nu, aber man wird älter, und irgendwann hat
man genug Neues gesehen, ich möchte nicht nochmal mein ganzes
Leben umschmeißen. - was mir jetzt daran nicht gefällt,
ist einfach der Mangel an Übung. Aber irgendwie glaube ich
doch, daß es langweilig ist. Die ganze Ewigkeit lang auf einer
Wolke sitzen und Halleluja singen. Ok - es ist nicht langweilig.
Drei Jahre nur. Unglaublich.

Schön toll, was man mit dem Computer alles machen kann :-)
- im Netz hab ich die Noten nicht gefunden. Halbe Stunde und man
hat so was! Abgesehen davon, daß man sieht was ich für
einen harmonisch-naiven Musikgeschmack habe, mir ist grade danach!
So ein Gefühl von Danke. Und es sind schöne Erinnerungen.
Drei Jahre, in denen ich abgesehen davon, gelernt habe, daß
die größere Hälfte des Lebens vorbei ist. Und das
macht unwahrscheinlich viel aus - das kann man sich noch mit 35
nicht vorstellen, ich wenigstens konnte das nicht. In denen mein
erster Verwandter der Vorgängergeneration regulär sozusagen
an Alter gestorben ist - ein angeheirateter Onkel, ja, aber jetzt
geht es los. Und in so zehn Jahren sind wir die Ältesten. Ich
bin in 40 jährigen Frieden aufgewachsen, in 40 Jahren wachsendem
Wohlstand und abnehmender Kultur, wachsender Einbildung der technischen
Beherrschbarkeit der Welt, sozialem Konventionenverfall, zunehmendem
individuellem Druck. Waschmaschine, Fernseher, Auto, Kühlschrank,
automatische Heizung - Computer ist noch nicht so sozial verbreitet,
wie man als Dauerbenutzer gerne denken würde.
Was ich alles ohne klare Ziele erreicht habe
oder - wie alles anfing - alles, das was jetzt aufhört. Indifferenten
Daten eine Struktur geben - jetzt ist etwas zu Ende.
Eines Tages saß ich vorm Computer, den ich mir endlich, nach
jahrelangem inneren Sträuben von Aldi gekauft hatte - ich wollte
privat keinen Computer haben, ich hatte Angst, ich würde dann
zu viel davor hocken - schon beim Studium hatte ich gemerkt, daß
ich ein Faible für Spiele hatte. Damals war es NetHack. Meine
Befürchtung traf zu, ich wechselte vom Wohnzimmer, wo sie fernsahen,
in die Kammer, wo ich spielte oder Excel prgrammierte oder all die
anderen zauberhaft-wundervollen Programme erforschte, auf eine Art,
wie ich es auf Arbeit nicht machte, weil ich sie dort ja eigentlich
nicht brauchte. Und irgendwann ein Modem - mißtrauisch, dieses
Kostenbewußtsein von der Mutter übernommen, die beim
Telefonieren immer an den Preis denkt - eine private EMail Adresse,
und so rumgekuckt, was kann man denn surfen, was ist denn interessant.
Steffen war vom Urlaub zurückgekommen, mit einem verächtlich-skeptischen
Wort auf den Lippen - NLP - ungefär so wie schwarze Messe sprach
er es aus, aber auch eine gewisse Bewunderung - und was er davon
erzählte, die Spiele, die der eine NLPler mit ihnen gemacht
hatte, die hatten ihm schon auch gefallen - und mir gefielen sie
auch. Suchmaschine - was war damals meine Suchmaschine? Yahoo? oder
schon Metager? Google kam ja später, blitzartig, schnell. www.nlp.de
- bestimmt so eine Sekte - bestimmt so Leute, die die Dummen verführen
wollen, um auf einfache Art und Weise ihr Auskommen zu haben. Sie
hatten eine Mailingliste - damit war ich sozial überfordert.
Aber OK, ich hab mich daran gewöhnt. Und sie beschrieben Sachen
- ich weiß noch, daß ich auf dem Stuhl saß und
vor Aufregung hin- und herrutschte, ich war so gebannt, so verblüfft,
sie behaupteten, daß unser Charakter nicht fest wäre,
daß Wahrnehmung kein Abtastvorgang ist. Das hat mir bestimmt
schon mal jemand erzählt, in der Schule oder an der Uni - das
kann gar nicht sein, daß ich das NIE vorher gehört hatte
- aber damals hörte ich es zum ersten Mal und verstand, was
das bedeuten könnte. Ich las von mehrwertigen Logiken und von
der Relativität der Wahrheit, ich las von Geistheilern und
das Zauberwort Quantenphysik. Es war mir klar, daß ich mit
meiner undisziplinierten Art alleine gar nichts würde verstehen
können - aber ich wollte das wissen. Ich wollte wissen, was
wir wissen können - und ich wollte wissen, inwieweit Erfahrung
Wahrnehmung bestimmt. Ich wollte wissen, ob es Telepathie geben
kann und ob die morphogenetischen Feldern eine vernünftige
Erklärungsmöglichkeit wären. Und ich suchte Freundschaft
und irgendwas wie Frieden. Es ist schwer, im Nachhinein zu beschreiben.
Ohne jede Frage verschob ich den Traum vom Studium auf später.
Ich hatte einen guten Job und zwei Kinder zu ernähren. Das
ist meine persönliche Grenze der Spinnerei - die Verantwortung
für Abhängige. Ein paar Tage vor meinem 41. Geburtstag
brach das alles schlagartig weg. Es wohnte nur noch meine jüngere
Tochter bei mir, die war am Freitag endgültig im sehr schlimmen
Streit "wenigstens bis zu ihrem 18. Geburtstag" von mir
gegangen, was ich Montag gegen elf erfuhr, am Montag um neun wurde
mir telefonisch mitgeteilt, daß die Firma aufgelöst wird,
und am Montag nachmittag beanspruchten meine Vermieter die Wohnung
wegen Eigenbedarf. Hübsch, nicht. So kanns gehen - binnen eines
Jahres sieht das äußere Leben ganz anders aus. Alle Konstanten
sind weg. Es hat mich daran nur der Zerfall mit dem Kind gestört.
Ich kuckte, wo ich das studieren könnte, was ich wissen wollte,
und fand in Mainz genau die beiden Sachen vereint, die mich interessierten.
Dann eben nach Mainz, in wahrscheinlich die häßlichste
Gegend Deutschland - manchmal frag ich mich, wo man nur seine Vorurteile
herbekommt. Das ist das, was bleibt - ich wohne hier, nachdem ich
überall, wo ich war gesagt hatte, aber "Zuhause"
(Oberpfalz) ist es schöner, sage ich das nun nicht mehr. Hier
ist es noch schöner. Und Freundlichkeit kost nix und bedeutet
nix - ich finde die Menschen auch so erholsam hier. Nicht, daß
ich mit den kargen Oberpfälzern nicht klargekommen wäre,
aber man braucht schon viel Reflexion oder eben Gewohnheit um das
Knappe nicht als Unfreundlichkeit zu nehmen.
Ich hatte kein Ziel diesbezüglich gehabt, ganz sicher nicht.
Mein Ziel war, wenn überhaupt, meinen Kindern ein regelmäßiges
Auskommen zu geben. Aber das war eher auch kein Ziel, weil das war
eine Konstante, eine Gewißheit. Da gabs gar nichts zu rütteln
- das hatte mein Vater mit uns gemacht, uns materiell abgesichert,
ohne jeden Zweifel, es war unmöglich, das nicht zu tun, es
überhaupt nur zu denken! Tat ich auch nicht. Ich kann immer
noch nicht verstehen, wie man in der Lage sein kann, sich davor
zu drücken, die Kinder zu unterhalten. Es regt mich auf, aber
mehr ist es mir noch völlig unverständlich.
Oki, daß ich dann hier eine Wohnung wollte, war wohl ein
Ziel. Und daß sie besonders und schön sein sollte und
zu mir passen sollte, auch, aber schon wieder eingeschränkt,
ich hätte auch die schlechtere, normale in Bingen genommen,
wenn ich sie bekommen hätte - mußte aber doch auf meine
Turm Wohnung hier warten. Das bleibt. Ich finde, ich habe die schönste
Wohnung, die es gibt.
Und dann die Uni - am liebsten wär ich davon gerannt! Der
botanische Garten ist schön, alles andere ist einfach schrecklich.
Die Hauptbibliothek geht noch so. Aber die Mensa ist entsetzlich,
die Cafeterien sind scheußlich und das Philosophicum ist grauenhaft!
Bei den Informatikern ist alles normal und OK, das hab ich aber
erst später kennengelernt. Die haben sogar genug Rechnerplätze,
daß man nicht nachts kommen muß, erstaunlich. Naja,
heute hat fast jeder einen Computer zu Hause. Aber ich hatte wirklich
Angst, weil ich dachte, ich falle da negativ auf mit meinen 41 Jahren.
In der Einführungsveranstaltung hab ich gleich eine Frau fast
in meinem Alter getroffen - und dann waren mir die Kiddies egal,
wenigstens ganz alleine bin ich nicht, und in der HauptseminarVeranstaltung
eines meiner beiden Hauptinteressen, in die ich mich .einfach todesmutig
als Erstsemester setzte, hätte ich genausogut im Seniorenstudium
sein können. Das hat mich in der Altersfrage doch arg beruhigt.
Doch dauernd Menschen. Kein gemütlicher Platz nirgendwo. In
der Bereichsbibliothek ein ständiges Geraschel und Getuschel
(das haben sie jetzt umgebaut), eine schreibt dort auf ihrem Labtop,
immer ein leises Brummen. Alles ganz furchtbar. Nur zwischen den
Regalen ist es ruhig. Aber - schnell hab ich beschlossen, daß
ich, da ich das Studium aus Interesse mache und nicht unbedingt
einen Abschluß haben muß, mir ganz bestimmt nicht Veranstaltungen
antue, in denen mir übel wird, auch wenn sie Einführungsveranstaltung
heißen. Was ich gemacht hätte, wenn sie nach meiner Studienordnung
Pflicht gewesen wäre, weiß ich nicht - ich glaube, ich
hätte schon viel früher beschlossen, daß es dann
eben keinen Abschluß gibt. Erstaunlich, wie beharrlich meine
Abneigung sein kann. Dieser Typ ist einfach so igitt! LaberSabber.
Bestätigt einfach durch seine Art all die Vorurteile, die ich
mit der Muttermilch gegen Philosophie eingesogen habe. Analytische
Philosophie klingt gut, Logik und Wissenschaftsphilosophie sowieso.
Da hatt ich also meine feste Burg - und auch an ihr nagt ein stetes
Mäuschen. Nicht einmal Mathematik ist empirieunabhängig.
Hatte ich schon geschrieben, daß ich das Buch ne Woche lang
nicht mehr anlangen konnte? 15 Jahre vorher hätte ich es vor
enttäuschendem Zorn in die Ecke gefeuert - man wird gemäßigter
- ich hab das Referat gehalten, aber es tut heute noch ein bißchen
weh. Schlimmer aber als daß es keine festen Wahrheiten gibt,
war, daß man sich nicht mal auf temporäre Wahrheiten
innerhalb der Teildisziplinen einigen kann. Wenn ich jetzt so das
überfliege ist es sowohl ne Folge daraus, als auch pragmatisch
vernünftig, aber persönlich enttäuschend war und
ist es doch.
Soweit sind wir aber noch nicht - erst einmal mußte ich davon
überzeugt werden, daß es eine nicht ideologiegeleitete
Wissenschaft (oder was auch immer) war. Ich war sehr skeptisch,
um nicht zu sagen mißtrauisch. Ich hatte Freundschaft mit
Esoterikern geschlossen - ich bin sehr leicht auf der persönlichen
Ebene beeindruckbar, und das sind wirklich liebe Menschen, ich mag
sie heute noch. Und irgendwie, wenns schon keine Wahrheit nicht
gibt, Integrität gibts schon! Natürlich gibts auch eindeutig
nicht haltbare Behauptungen. Dass die Erde ne Scheibe ist zum Beispiel.
Aber mit der Frage, ob wirklich Menschen auf dem Mond waren, wird
es schon schwieriger, und mit der ob wir wirklich gemeinsame Vorfahren
mit den Affen haben erst recht. Und diese Leute, die ich da getroffen
habe, sind persönlich integer - gedanklich manchmal nicht so.
Also, man kann ja einfach einen Kurzschluß machen, ohne es
selbst zu merken. Die Fragen der Esoterik machen sich für mich
an Reiki fest und an den Auren (Lichtkörpern). Weiter halte
ich noch die zur Zeit boomenden Channelings für interessant,
aber aus anderen Gründen. Da steht die Frage der Interpretation
"von irgendetwas" im Vordergrund - und nicht dieses "irgendetwas"
- obwohl:
Bevor das alles anfing, also vor meinem 40. Geburtstag, war ich
zufrieden christlich - ich hatte mir meinen Gott umdefiniert, die
ganze rachsüchtige und autoritäre Komponente rausgenommen,
die Mängel der Kirchen bei denen belassen, und wars zufrieden.
Eines Tages hatte ich einen Gedanken "der nicht meiner war"
- einen, den ich mit alledem, was ich wußte oder gelesen hatte,
einfach nicht selbst hätte denken können - und er war
begleitet vom Gefühl der "Gewissheit" (wirklich selten
bei mir). Und der Gedanke war, daß Gott die Welt erschaffen
hat, um sich zu erkennen. Daß er uns Menschen braucht, um
seine Ganzheit zu erkennen. Ich weiß ihn aus zwei Gründen
nicht mehr so genau - einmal bin ich wirklich sehr erschrocken -
so freiheitlich, für was ich mich hielt, kam mir das doch vor,
wie Blasphemie. Ich wollte das nicht gedacht haben. Ich konnte es
auch nicht aufschreiben - ich kam nicht über den ersten Satz
hinaus. Und zum anderen habe ich es zwei Jahre später wieder
gelesen - es ist ein gängiger Gedanke in manchen esoterischen
Büchern. "Gespräche mit Gott" von Walsh ist
das, wo ich sicher weiß, daß es so drinsteht.
Nun, sowas hat für mich Signifikanz. Es erklärt nichts,
aber eine Erklärung von Allem muß das auch erklären
können. Und nicht radebrechen von Zufällen und vielleicht
in der Apothekerzeitschrift mal gelesen ... - also nicht wegerklären.
Ich meine nicht, daß und ob dieser Gedanke wahr oder falsch
ist - darüber habe ich überhaupt keine Meinung, er ist
eher falsch, oder wenn er wahr wäre, zwänge er uns, Gott
vollkommen (wesentlich) umzudefinieren - sondern mein Hauptinteresse
gilt der Frage, wie ich ihn haben konnte, diesen Gedanken. Er war
mir so fremd. Aber klar, Sekundenbruchteilsbilder im Fernsehen könnten
sowas bewirken - das wäre eine Erklärung(, die ganz andere
Fragen aufwirft). Und jetzt seh ich nicht mehr fern und hab auch
keine fremden Gedanken mehr. Q.E.D. (*g*). OK - zurück in den
Hörsaal. Auf jeden Fall ist in esoterischen Kreisen die Meinung
der Ideologiegesteuertheit der Wissenschaften fest verankert - wenigstens,
die Meinung daß sie von Geld- oder Machtinteressen gesteuert
ist, gibt es auch - aber die hat mich weniger beunruhigt. Diese
Ideologiegesteuertheit habe ich immer naiv persönlich interpretiert.
Also, jeder Wissenschaftler wäre nicht integer. Jaja, Integrität
ist mir was sehr Wichtiges. Die Interpretation ist dumm - aber auf
der Ebene wurde mein Verdacht auch wiederlegt. Es gibt integere
Wissenschaftler, die die Naturalisierung des Geistes auf ihre Fahnen
geschrieben haben. Ergo: man kann nicht behaupten, die Wissenschaft
wäre ideologiegesteuert. Naja. Ist mir fast peinlich, aber
so lief das ab.
Damit konnte ich mich also mit all meiner Integrität auf die
Fragen einlassen. Es war einfach bombastisch. Zwar hat mich schon
gleich zu Anfang gewundert, wieso in der analytischen Philosophie
(analytisch klingt doch einfach so gut!) gewisse Gesetze der Logik
mißachtet werden - ich war über ein Gedankenexperiment
gestolpert - den Swamp Man - und das hatte meiner Meinung nach einen
verbotenen Fehler.
Ich geh in den Sumpf und da zermalmt ein Blitz mich und einen Baum
daneben in all meine und seine Moleküle. Durch einen unglaublichen
Zufall wird eine ununterscheidbare Kopie von mir wieder aufgebaut
(aber aus anderen Molekülen - aus denen des Baumes - was daran
wichtig sein soll, weiß ich nicht, aber so isses). Dieser
SwampMan bewegt sich genauso wie ich, geht zurück in die Stadt,
begrüßt meine Freunde, geht in meine Wohnung und schreibt
meine Bücher. - so ähnlich geht das Gedankenexperiment
von Davidson. Es ist hübsch und es gefällt mir. Das Experiment
aber soll dazu dienen, plausibel zu machen, daß der Funktionalismus
unplausibel ist. Der Funktionalismus, wie ich ihn verstanden hatte,
behauptet, repräsentationale Gehirnzustände hätten
sich entwickelt. Sie spielten eine funktionale Rolle. Und jetzt
wird da irgendwo ein fertiges Kunstobjekt (schlauerweise durch den
ingeniösen Zufall konstruiert) hingeknallt, das sich genauso
verhält, wie ein entwickeltes Objekt, und es wird behauptet,
weil es das geben könnte, (denn es ist vorstellbar),
kann der Funktionalismus nicht richtig sein. Laut dem Funktionalismus
kann es das aber nicht geben. So hatte ich das damals verstanden,
heute verstehe ich es weniger - aber daß es so wie ich es
verstanden habe, nicht geht, dazu stehe ich noch heute. Also: Angenommen,
der Funktionalismus ist richtig - dann wird niemals ein Kunstobjekt
sich so verhalten wie ich. Auch wenn ich mir immer noch vorstellen
kann, daß es so ist. Es tat mir weh - und das tut es noch
heute, daß sich etwas, was sich analytisch nennt, mit solchen
abwegigen Märchen für teures Geld und wertvolle Zeit und
noch wertvolleren Nerven beschäftigt! Eigentlich mag ich noch
heute nicht glauben, daß ich das Experiment und was es unplausibel
machen soll, richtig verstanden habe - es wäre mir lieber,
ich irrte mich.
Nur, ich habs eben über die zwei Jahre hinweg nicht anders
verstanden. Und das beleuchtet schon schlaglichtartig, daß
mir die analytische Philosophie zu doof ist oder ich für sie
zu doof bin. Oder, mein allerliebster Lieblingsphilosoph: "Dem
üblichen Gebrauche nach folgt aus 'x ist auf y eifersüchtig',
daß y existiert, und aus 'x ist wegen y's Interesse für
z eifersüchtig' folgt, daß y und z (und natürlich
auch x) exisiteren." Aus dem üblichen Gebrauche folgt
einfach überhaupt nichts! Ich hoffe immer noch, daß es
sich um einen Übersetzungsfehler handelt. Es ist sicher weit
schwächer gemeint, aber selbst dann ist es nicht so einfach
- üblicherweise existiert irgendwas, das sich dazu eignet,
als das y gemeint zu werden, auf das x eifersüchtig zu sein
glaubt - mehr ist nicht üblich. Trotzdem, der Mann ist integer
- und er ändert seine Meinung zäh und beharrlich über
die Jahrzehnte - von was wird er angetrieben - nee, falsche Frage,
von was angezogen - was läßt ihn merken, daß etwas
nicht haltbar ist? Wenn es nur solche analytische Philosophen gäbe,
würde ich auch aufhören, aber nicht so enttäuscht.
Aber sie haben jede Menge Spaß. Den hab ich auch, bei anderen
Tätigkeiten. Aber erst hatte ich tatsächlich auch eine
Menge Spaß. Es war wie damals in der Kammer mit dem 16K Modem
- ich war begeistert. Aufgeregt. Es war so viel Neues, eine ganze
neue Welt. Was bleibt, ist, sind manche der Methoden. Texte auf
Themenwechsel und auf Äquivokationen zu untersuchen - und bloß
nicht guten Glaubens zu sein, daß die analytischen Philosophen
dagegen gefeit wären! Zu fragen, wie ein Begriff gemeint ist.
Zu fragen, was eigentlich erklärt werden soll. Und nicht so
blauäugig zu sein, wenn die gute Fee Patricia ein Märchen
erzählt. Ich liebe Märchen. Zu fragen, ab welchem Punkt
die Analogie nicht mehr trägt.
So ist es natürlich gemein, nur die eine Hälfte - es
ist auch so, daß es nichts ist für mich. Mich interessieren
Ideen, mich interessieren Strukturen und Zusammenhänge - es
fällt mir schwer, mir Fakten, Namen, Daten zu merken. Exegese
von halbwichtigen oder wichtigtuerischen Texten, oder Texten hauptsächlich
mit einer Werbeabsicht, Texte, die irgendwelche wackeligen Ideengebäude
stützen sollen, macht mir tatsächlich keinen Spaß.
Es fällt mir zu schwer, das wichtige vom unwichtigen zu trennen.
Ich glaube lieber vertrauensseelig, daß der Autor dafür
sorgt, daß da nur wichtiges drinne ist. Ich hab keinen Bock,
Leute zu kritisieren - ich mag nicht sagen, das, was der oder die
schreibt, ist Blödsinn. Irgendwie nehme ich die ganze Sache
auf einer tiefen, einer persönlichen Ebene viel zu ernst und
auf einer anderen, einer inhaltlichen Ebene nicht ernst genug. Und
die persönliche Ebene ist mit Ehrlichkeit, Wahrheit, Integrität
verbunden. Weiter: ich kann nicht Sachen unter Richtungen einordnen.
Und ich bin stur - ich begreife nicht, wie man Pfeile vom Gehirn
in die Welt malen kann - da kann ich gleich an Engel glauben. Und
das mach ich dann auch lieber. Was der einen ihr Engel ist dem anderen
sein Pfeil.
Andererseits, so was als Gegengewicht zu meiner blühenden
Blauäugigkeit ist schon gut. Sollte ich mir hie und da gönnen.
Ne Art kalte Dusche für den gutmütigen Glauben an die
einfachen Erklärungen. Vielleicht reicht es schon, Putnam zu
lesen, und ich muß mir dieses grauenhafte Gebäude nie
wieder von Innen antun.
Ach ja - wieso läuft das nun unter Zielen?
Achso, das war heute morgen *g* - ich habs endlich fertig gebracht,
was zu formulieren, woran ich schon über zwei Jahre rumarbeite,
im privaten Bereich. Und nu frag ich mich, verkauf ich mir das als
Ziel oder nicht. Ich habs endlich fertiggebracht, ziemlich genau
zu formulieren, mit was für einer Sorte Mann ich glücklich
sein könnte - obwohl, die Sache ist so speziell geworden, da
von einer Sorte zu reden, ist wohl bei weitem zu optimistisch. Ich
kann froh sein, wenn es einen gibt. Ich weiß echt nicht -
ich müßte an Bärbel Mohrs Bestellservice glauben,
um zu denken, daß ich da Glück haben kann! Alles andere
ist ... pfffft. Ab in den Himalaya. (Kloster ist out.) Soll ich
mir das als Ziel setzen? (Was? Kommt schon noch - na gut, hier,
auf der letzten Seite). Also, wer sich darin exakt wiederfindet,
der möge mich kontaktieren - sonst niemand, weil das ist einfach
der völlige Blödsinn. Man kann sich doch nicht als Ziel
setzen, jemand zu finden, den man erfunden hat! Das ist einfach
abwegig! Leben wir im Einundzwandstigsten Jahrhundert oder Wat?
Oder ist es plausibel anzunehmen, daß es soundsoviel Millionen
Männer in Deutschland gibt (ja, netwa, flüssig Deutsch
muß er auch noch sprechen und ungefär so alt sein wie
ich) - also soundsoviel in einer Spanne von 10Jahren sagen wir mal.
Davon Schwarzhaarig - ja ich meine, wenn ich schon backe, dann natürlich
mit realen Zutaten, die mir am besten schmecken - vielleicht schmeckt
nicht, ungefär auch nicht. Und Schwarz und Blond zusammen auch
nicht auf einem Haupt. So die Augen - bin ich wahnsinnig? Das so
detailliert anzugeben, als hätte ich die schon gesehen! Wieviele
gibt es da? 40 Mio männl Deutsche, nehmen wir die Österreicher
und die Schweizer noch dazu - 50 Mio? In der Altersklasse, dürften
höchstens 8 Mio übrigbleiben. Davon Schwarzhaarig - puuh,
gutgeschätzt bleiben davon 2 Mio übrig - weil ich meine
schwarz und nicht auch braun. Dunkelstes Dunkelbraun wie meine eine
Tochter wäre noch OK. 2 Mio ist aber schon wirklich großzügig
gerechnet. Dann ziehen wir alle mit Bart und/oder mit Hund ab. bleiben
1,6 Mio übrig. Was bin ich großzügig. Dann die Größe
und die Figur, bleiben 1,2 Mio übrig. Würde schon noch
reichen. So, dann ziehe ich hier nicht weg. Das hab ich natürlich
auch nicht extra geschrieben - aber so isses. OK, ich glaube ich
bin reif für den Himalaya, wenn man so wenig kompromissbereit
ist. Also muß er hier wohnen oder nicht ortsgebunden sein
- letzteres gibt es allerhöchstens 20.000 - hier wohnen - Umkreis
30 km - ach, nehmen wir einfach halb RP, das rechnet sich leichter
- sind 10.000 im Verhältnis zu 360000, also 1,2Mio durch 36,also
35.000 da sind wir über die gut geschätzten 20.000 Mobilen
doch höchst froh - und kommen auf 50.000. Immer noch wunderbar,
wenn man nur ein Etwas von dieser Sorte will. Es handelt sich immer
noch um eine Sorte! Und nun die Spezialeigenschaften - Frühaufsteher
- freiwillig und von Herzen - wieviele Menschen sind das im Verhältnis?
Dreißig Prozent? Rechnen wir wieder gutmeinend auf 20.000.
Wasserliebhaber - oki, Wasser mögen doch alle Menschen, oder?
Ach, Mist, ich hab oben ja die Augen vergessen reinzurechnen. Dunkles
Haar und helle Augen - bei Mitteleuropäern ist das gar nicht
so selten, wenn sie mal dunkles Haar haben - also mit dem Wasser
zusammen, bleiben 5.000 - reicht immer noch. Was war noch? Tanzen.
Puh - 2000? Dann, kochen - 1000? Die Stimme, ich Verrückte!
800? Nein, ich will auf nix hinaus - nicht damit. Ist nur Spielerei.
Was hatte ich noch? Kartenspielen kann ich alleine, wat ein Glück!
Jetzt tun wir mal die Gebundenen wegrechnen - ohjeohje - bleiben
100 übrig. Wie gesagt, ich bin großzügig. Jetzt
kommt der Charakter. Vergiß es, Moni. Ich kenne wenigstens
100 Leut - und NIEMANDEN mit diesem Charakter. Einfach keinen! Sonst
hätte ich das ja nicht erfunden. Bleibt nur der kosmische Bestellservice,
dat, wat früher ein Wunder war. Und dat is Liebe ja eigentlich.
Ein ganz altmodisches Wunder.
Also, das hab ich heute früh geschrieben, bei einem Internetspiel,
mit ein wenig indiskreten Fragen und Aufgaben und so, wo ich auch
ganz wahnsinnig nette Menschen getroffen habe, in Net und auch in
Real. Und danach hab ich mir gesagt, daß ich wohl ein bißchen
verrückt bin. Also, wie oben, ich bin wohlmeinend. Ein bißchen
deshalb. Und darum geh ich am Montag auf den Karnevalsumzug. Und
dieses Tagebuch ist ab nun geschlossen. Irgendwie hab ich, was ich
wollte - aber ich hab keine Ahnung, was das ist. Das Internet hat
seinen Zweck erfüllt.
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